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Geigenbau als Gleichnis für das Leben

Martin Schleske über sein Handwerk, die Physik und Religion

In Fachkreisen ist der Name Martin Schleske vielen bereits ein Begriff. Die New York Times bezeichnete ihn als führenden Geigenbaumeister der Gegenwart. Namhafte Violinisten kommen zu ihm, um ihre nächste Konzertgeige in Auftrag zu geben. Vor einigen Jahren brachte Martin Schleske das Buch »Der Klang. Vom unerhörten Sinn des Lebens« heraus, in welchem er seine besondere Arbeit beschreibt. Mit durchschlagendem Erfolg. Fünf Jahre später erscheint nun ein weiteres Werk von ihm. In »Herztöne. Lauschen auf den Klang des Lebens« geht der gläubige Christ, Handwerksmeister und Diplom-Physiker auf die Schöpfung seiner Geigen und seine damit verbundene Sicht auf das Leben ein.


eigenbauer Martin Schleske bei der Arbeit in seiner WerkstattDer gebürtige Schwabe lernte selbst bereits mit sieben Jahren, Geige zu spielen und entschied sich, nach seinem Schulabgang eine Ausbildung zum Geigenbauer zu machen. Ihn interessierte die Kombination aus Handwerk und Musik. Ein ungewöhnlicher Wunsch – und auch kein leichtes Unterfangen – denn auf zwölf Plätze kamen 1200 Bewerberanfragen. Schleske wurde aufgenommen.

Während dieser Ausbildung eignete sich Martin Schleske alle Fähigkeiten an, die für den Bau dieser besonderen Instrumente notwendig sind. Doch bloßes »Können« reichte für ihn nicht aus. Er wollte begreifen, was den Klang einer Geige ausmacht und diesen ganz besonderen Unterschied zwischen einer Stradivari und einer anderen Geige verstehen. Aus diesem Grund holte er sein Abitur nach und nahm daraufhin ein Physikstudium in München auf.

Nach seinem Studium und der erfolgreich bestandenen Meisterprüfung zum Geigenbaumeister, eröffnete er seine eigene Meisterwerkstatt für Geigenbau. Zu dieser Werkstatt sollte von Beginn an auch ein Akustik-Labor gehören. Das Labor stellt sozusagen einen zweiten, ergänzenden Bereich beim Geigenbauen für Martin Schleske dar.




Während er im Atelier intuitiv vorgeht und sich dort alles um den Klang und um das Zuhören dreht, sind im Labor Forschung und Technik zentral. Um die Qualität seiner Geigen zu prüfen, nutzt Martin Schleske eine Methode, die aus der Luft- und Raumfahrt stammt. Diese Analysen helfen ihm, auch objektiv sagen zu können, was an einer Geige nicht passt.

Portrait von Geigenbauer Martin SchleskeDie Ansicht mancher Kollegen, solch eine Arbeitsweise beschädige das ehrwürdige Handwerk, teilt Martin Schleske so nicht: seine Intuition im Atelier werde durch die Arbeit mit der Akustik im Labor lediglich ergänzt und erweitert. Grundsätzlich lässt sich über Martin Schleske sagen, dass er es in der Tat vermag, die Erschaffung einer Geige ganzheitlich zu betrachten. So hat dieser Schöpfungsprozess – wie er die Herstellung einer Geige auch bezeichnet – für ihn nicht nur einen handwerklichen oder wissenschaftlichen Aspekt.

Für ihn als tiefgläubigen Menschen ist die Entstehung einer Geige vom Stück Holz bis zum fertigen Instrument auch ein Gleichnis für das Leben. Auch die einzelnen Arbeitsschritte stellen für ihn Gleichnisse dar.
Bei der Auswahl des Holzes sowie bei der Arbeit damit, lässt sich Schleskes christliche Einstellung und seine Sicht auf das Leben anhand der Gleichnisse erkennen: So wie sich der Geigenbauer mit dem Holz und all seinen Eigenarten bei der Herstellung einer Geige auseinander setzen muss – damit, wie es gewachsen ist, mit seinem Faserverlauf, dem Drehwuchs und den Abhölzigkeiten, die jedes Mal anders sind – so ist es laut Schleske auch beim Menschen.
»Dem gegebenen Holz gerecht zu werden und zugleich das gebotene Gesetz der Akustik zu beherzigen – das ist die geheime Kunst des Geigenbaus. Es zeigt etwas von den inneren Gesetzen des Lebens: Die Barmherzigkeit mit dem Gegebenen und die Ehrfurcht vor dem Gebotenen – sie sind das Wesentliche eines jeden guten Werdegangs. Der Schöpfungsakt einer gelingenden Geige ist dafür nur ein Gleichnis... «
Für Schleske helfen Barmherzigkeit und Mut dabei, uns von der Zwanghaftigkeit und Arroganz zu bewahren, Dinge entgegen den »Faserverlauf des Lebens« zu erzwingen.
Ein weiteres Gleichnis stellt auch die Lackierung seiner außergewöhnlichen Geigen dar. Die 15 Schichten Lack bestehen aus einer besonderen Rezeptur aus Matrixharz, Bernstein, Myrrhe, Ölen und Pigmenten. Diese Verbindung aus den verschiedenen Zutaten sind ein Gleichnis für die menschliche Gemeinschaft. Jeder einzelne hat seine Stärken und Schwächen. Doch vor allem gemeinsam kann etwas richtig Gutes werden. Wie eben bei einem richtig guten Lack.

Martin Schleske sieht jedoch nicht nur Parallelen zwischen seiner Arbeit und dem Leben. Er arbeitet seinen Glauben und seine Ansichten auch in seine Geigen ein. So ist sein Aushängeschild beispielsweise der Deckenrand, welcher in geflammtes Akazienholz aus Tasmanien gefasst wird. Auch das Material ist ein Symbol: schon die Bundeslade der Hebräer, das Heiligtum der Juden, bestand aus Akazienholz.

Geigenzettel im Inneren der Instrumente von Martin SchleskeAuch sind der Brandstempel sowie der Geigenzettel im Inneren seiner Instrumente Signaturen seines meisterlichen Schaffens. Dass ein Kreuz über seinen Initialen steht, hat auch eine besondere Bedeutung. Denn Martin Schleske ist überzeugt:
Musik ist in Klang gegossenes Gebet.
Das Besondere an Schleskes Arbeit ist jedoch, dass eben nicht nur das fertige Instrument zählt:
»Letztlich kommt meine Berufung als Geigenbaumeister nur dann zum Ziel, wenn es mir gelingt, dem Musiker mit meinem Instrument seine »Stimme« zu geben. […] das Kunstwerk, das ich schaffe, [ist] dennoch nicht die augenscheinliche Skulptur. Es ist vielmehr der Klang, der sich in der Begegnung zwischen dem Musiker und den Resonanzen des Instrumentes formt.«

Doch im Atelier geschieht ohnehin nur die Hälfte, der andere Teil des guten Klanges kommt erst mit der Zeit. Denn der Klang einer Geige wird immer besser, wenn sie gespielt wird.

Quellen und weiterführende Literatur


Martin Schleske Geigenbauer: »Herztöne. Lauschen auf den Klang des Lebens«Empfehlungen zum Thema

Martin Schleskes neuestes Buch: »Herztöne. Lauschen auf den Klang des Lebens«. In Fachkreisen wird Geigenbauer Martin Schleske als »Stradivari des 21. Jahrhunderts« bezeichnet. Auf der Suche nach dem perfekten Klang werden ihm beim Arbeiten in seiner Werkstatt die Zusammenhänge zwischen Leben und Glauben immer wieder neu bewusst.

Die Geschichten, die er in diesem Buch erzählt, sind faszinierende Gleichnisse über die leisen Töne des Herzens, über Weisheit, Gebet, Schönheit, Liebe, Mystik und Seele. Inspirierend schön!

Martin Schleske - Hörbuch: »Der Klang: Vom unerhörten Sinn des Lebens«In seinem Hörbuch: »Der Klang. Vom unerhörten Sinn des Lebens« gewährt Martin Schleske einen akustischen Einblick in die Geheimnisse seines Berufs. Dabei zeigt er, wie für ihn die Phasen des Geigenbaus ein Gleichnis für persönliche Entwicklung, für unsere Berufung und unseren Platz im Leben sind. Außerdem können Sie hören, wie eine Schleske-Geige klingt: Alban Beikircher, u. a. Solist bei den Münchner Symphonikern, spielt sie eindrucksvoll und meisterhaft.

Martin Schleske / Donata Wenders - Kalender: »Herztöne 2017« Donata Wenders hat den berühmten deutschen Geigenbauer Martin Schleske in seiner Werkstatt begleitet und ihre Eindrücke für den Wandkalender: »Herztöne 2017« in meisterhaften Schwarz-Weiß-Fotografien festgehalten. Dabei ist es ihr auf einzigartige Weise gelungen, die konzentrierte Stille während des Schaffensprozesses einzufangen. Ergänzt werden die Fotos durch kurze Texte Schleskes, in denen er über den Sinn des Lebens, den Glauben an Gott, die Kraft der Stille und die Schönheit des Augenblicks nachdenkt.


Entdecken Sie in unserem Vivat! Onlineshop weitere Literatur, Kunstkalender und Hörbücher von und über Martin Schleske und seine Arbeit als Geigenbaumeister.