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Die 14 Stationen des Kreuzwegs Jesu

Kreuzwege veranschaulichen den Passionsweg Jesu in Texten und Bildern und in beinahe jeder katholischen Kirche ist eine Darstellung der einzelnen Kreuzwegstationen zu finden. Meist umfasst der Kreuzweg 14 Stationen von der Verurteilung Jesu bis zur Kreuzigung. In manchen Kreuzwegen wird die Auferstehung oder die Kreuzauffindung durch Kaiserin Helena als 15. Station dargestellt.

Wie der Kreuzweg historisch entstand, welche Bedeutung die einzelnen Stationen eines Kreuzweges haben und welche bekannten Kreuzwege es heute gibt, erfahren Sie hier.

Die 14 Kreuzwegstationen im Überblick

Die 14 Stationen des Kreuzwegs Jesu

1. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt (Mt 27,11-26)

Nach seiner Verhaftung wird Jesus Christus zum römischen Statthalter Pontius Pilatus gebracht. Die Hohenpriester und Ältesten werfen ihm vor, dass er sich selbst König der Juden nennt, und der Statthalter soll ein Urteil sprechen. Aufgrund eines Traums, den seine Frau in der Nacht zuvor hatte, glaubt Pilatus nicht an Jesu Schuld. Vor dem Pessachfests darf der Statthalter einen Gefangenen begnadigen und er fragt die Menge, die sich vor ihm versammelt hat, wen er freilassen soll, Jesus oder Barabbas. Die von den Hohenpriestern und Ältesten aufgestachelten Menschen verlangen die Freilassung von Barabbas und die Kreuzigung Jesu. Pilatus spricht das Todesurteil über Jesus und lässt sich eine Schüssel Wasser bringen, um vor allen Menschen seine Hände reinzuwaschen.

Vgl. auch Mk 15,2-15; Lk 23,2-5.13-25; Joh 18,28-19,16a

2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern (Mt 27,27-31)

Jesus Christus wird den Soldaten übergeben. Sie ziehen ihm die Kleider aus, legen ihm einen purpurroten Mantel um und setzen ihm eine Dornenkrone auf. Die Soldaten verhöhnen, bespucken und schlagen Jesus. Nachdem sie ihn verspottet haben, ziehen sie ihm seine Kleider wieder an. Dann wird er hinausgeführt und muss das Kreuz selbst zum Hügel Golgota (auch: Golgotha oder Golgatha) tragen.

Vgl. auch Mk 15,20b; Joh 19,17

3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz (wird nicht in der Bibel erwähnt)

Die Soldaten treiben Jesus durch die Straßen Jerusalems und unter der Last des schweren Holzkreuzes bricht er zusammen. Doch die Soldaten zwingen ihn zum Weitergehen.

4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter (wird nicht in der Bibel erwähnt)

Unter den vielen Menschen, die am Straßenrand stehen und dabei zuschauen, wie Jesus Christus unter großen Schmerzen das Kreuz zur Hinrichtungsstätte trägt, ist auch seine Mutter Maria. Die Nähe und Liebe seiner Mutter gibt Jesus die Kraft und den Mut, den schweren Weg weiterzugehen.

5. Station: Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen (Mt 27,32)

Jesus wird immer schwächer und kann das Kreuz kaum mehr tragen. Da befehlen die Soldaten dem Bauern Simon von Zyrene das Kreuz zu tragen.

Vgl. auch Mk 15,21; Lk 23,26

6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch (wird nicht in der Bibel erwähnt)

In der Menge der Zuschauer steht auch Veronika, eine junge Frau und Jüngerin Jesu. Sie sieht, wie sehr er leidet und überlegt, wie sie ihm helfen kann. Damit Jesus sich das Blut, den Schweiß und Dreck aus dem Gesicht wischen kann, reicht Veronika ihm ihr Tuch. Jesus nimmt es dankbar und drückt sein Gesicht in den Stoff.

7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz (wird nicht in der Bibel erwähnt)

Der Weg nach Golgota scheint kein Ende zu nehmen. Viele Schaulustige beobachten Jesus, der jetzt so gar nicht mehr wie ein König aussieht, aber keiner hilft ihm. Das Kreuz ist einfach zu schwer und er stürzt zum zweiten Mal.

8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen (Lk 23,27-31)

Jesus Christus sieht in der Menge eine Gruppe Frauen, die über seinen bevorstehenden Tod und das Leid, das er ertragen muss, weinen, denn sie wissen, dass Jesus immer gut zu den Menschen war. Jesus bleibt stehen und sagt zu ihnen: »Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht um mich; weint über euch und eure Kinder! Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben. Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallt auf uns!, und zu den Hügeln: Deckt uns zu! Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?«. (Lk, 28-31 EU)

9. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz (wird nicht in der Bibel erwähnt)

Jesu Kraft ist endgültig zu Ende. Er kann nicht mehr und bricht ohnmächtig zusammen. Wie viel einfacher wäre es, einfach liegen zu bleiben und auf den Tod zu warten. Aber Jesus will das Werk vollenden, das sein himmlischer Vater für ihn vorgesehen hat, und schleppt sich und das Kreuz weiter.

10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt (Mt 27,35)

Als Jesus endlich auf dem Berg Golgota ankommt, nehmen ihm die Soldaten seine Kleider ab. Sie geben ihm mit Galle vermischten Wein, den Jesus aber nicht trinkt. Die Soldaten nageln Jesus ans Kreuz und teilen dann seine Kleider unter sich auf.

Vgl. auch Mk 15,24b; Lk 23,34; Joh 19,23-24

11. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt (Lk 23,33-43)

Mit Jesus werden auch zwei Verbrecher gekreuzigt, ihre Kreuze stehen zu beiden Seiten Jesu. Die Soldaten und die Menschenmenge verhöhnen und beschimpfen Jesus. Doch Jesus Christus betet für sie und bittet Gott um Vergebung: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.« (Lk 23,34 EU)

Vgl. auch Mt 27,35-44; Mk 15,24-32; Joh 19,18-27

12. Station: Jesus stirbt am Kreuz (Mt 27,45-51,54)

Als Jesus am Kreuz hängt, verdunkelt sich der Himmel von der sechsten bis zur neunten Stunde. Dann ruft er laut: » Eli, Eli, lema sabachtani?«, (Mt 27,46 EU) was übersetzt bedeutet »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«. Einige der Umstehenden meinen, Jesus ruft nach Elija und sie wollen sehen, ob er kommt und Jesus von Kreuz hilft. Einer der Soldaten reicht Jesus einen mit Essigwasser getränkten Schwamm. Mit einem lauten Schrei stirbt Jesus Christus und haucht seinen Geist aus. Da reißt der Vorhang im Tempel in der Mitte entzwei und die Erde bebt. Der Hauptmann und die Soldaten, die Jesus bewachen, erschrecken und sagen: »Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!« (Mt 27,54 EU).

Vgl. auch Mk 15,33-41; Lk 23,44-49; Joh 19,28-30

Die letzten Worte Jesu am Kreuz unterscheiden sich in den einzelnen Evangelien: Während Jesus im Markusevangelium auch »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Eloï, Eloï, lema sabachtani? Mk 15,34 EU) ruft, heißt es im Evangelium nach Lukas: »Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist« (Lk 23,46 EU). Im Johannesevangelium lauten die letzten Worte Jesu: »Es ist vollbracht!« (Joh 19,30 EU).

13. Station: Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt (Joh 19,38)

Am Abend geht Josef von Arimathäa, einer der Jünger Jesu, zu Pilatus und bittet ihn um Jesu Leiche, um ihn zu begraben. Als Jesus vom Kreuz abgenommen wird, ist auch seine Mutter Maria da. Josef von Arimathäa legt ihr ihren toten Sohn in den Schoß und Maria weint und trauert um ihn. Doch sie weiß auch, dass alles nach Gottes Wille geschieht.

14. Station: Der heilige Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt (Mt 27,57-66)

Josef hüllt den Leichnam in ein sauberes Leinentuch, legt ihn in ein neues Felsengrab und schiebt einen großen Stein davor. Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jesu, beobachten, wohin Josef den Leichnam bringt.

Am Tag danach kommen die Hohenpriester und Pharisäer zu Pilatus und fordern Wachen für Jesu Grab. Sie erinnern an die Prophezeiung, dass Jesus nach drei Tagen auferstehen wird. Das Grab wird versiegelt und die Wächter davor postiert.

Vgl. auch Mk 15,42-47; Lk 23,50-56; Joh 19,38-42

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Der Kreuzweg - Geschichte und Bedeutung

arabische Schriftzeichen an einer Mauer in IsraelSchon die frühen Christen suchten die Orte in Jerusalem auf, die Jesus Christus auf seinem Leidensweg passierte, um dort zu beten, dem Leiden und Sterben Christi zu gedenken und selbst mitzufühlen, wie er gelitten hat. Ursprünglich gab es nur zwei Stationen:

  • die Burg »Antonia« als Ort der Verurteilung Jesu durch Pontius Pilatus und
  • den Hügel Golgota (auch Golgotha oder Golgatha), wo Jesus gekreuzigt wurde.

Der Weg, der diese beiden Orte miteinander verbindet, wird »Via Dolorosa« (lat. Der schmerzensreiche Weg, Leidensweg) genannt und führt durch die Straßen der Altstadt Jerusalems. Im Laufe der Zeit wurde der Passionsweg um weitere Stationen ergänzt, damit die Gläubigen den Weg Jesu möglichst genau nachgehen konnten, wobei die genaue Lage der einzelnen Orte entlang der »Via Dolorosa« heute nicht mehr eindeutig historisch bestimmbar ist.

Im 14. Jahrhundert waren zunächst sieben Kreuzwegstationen üblich, die an die sieben römischen Stationskirchen und die sieben Tagzeiten des Stundengebets erinnerten. Um das Jahr 1600 umfasste der Kreuzweg bereits 12 Stationen, die letzten beiden Stationen der Kreuzabnahme und der Grablegung wurden 1625 vom Franziskaner Antonius Daza angefügt.

Bis heute gehören zu einem Kreuzweg 14 Stationen, die singend oder betend abgeschritten werden. Einige Kreuzwege enthalten mit der Auferstehung Jesu eine 15. Station. Die meisten der beschriebenen Szenen folgen der biblischen Passionsgeschichte, einige werden nicht ausdrücklich in der Bibel erwähnt.

Da nicht alle Menschen ins Heilige Land pilgern konnten, entwickelte sich im Mittelalter bald der Brauch, die Jerusalemer »Via Dolorosa« an anderen Orten nachzubilden. Es wurde ein Weg angelegt, oftmals in der exakten Länge des Prozessionsweges in Jerusalem. Meistens führte er in Anlehnung an den Hügel Golgota einen Berg hinauf, den sogenannten Kalvarienberg. Ab 1700 wurden zuerst in den Kirchen des Franziskanerordens, später auch in anderen katholischen Kirchen, die einzelnen Kreuzwegstationen in Wandbildern dargestellt. Der Franziskanermönch Leonhard von Porto Maurizio entwickelte eine Gebetsanleitung, nach welcher auch heute noch die Kreuzwegsandachten gebetet werden.

Oft werden während der Fastenzeit und besonders an Karfreitag Kreuzwegandachten gehalten und die Leidensstationen abgeschritten. Dabei wird nicht nur an die Leidensgeschichte Jesu erinnert, sondern auch für all die Menschen gebetet, die zu Unrecht verurteilt, gefoltert, verspottet und getötet werden.

An manchen Orten wird das Leiden und Sterben Christi in Passionsspielen oder Prozessionen entlang des Kreuzweges nachgestellt, so z. B. auf der »Via Dolorosa« in Jerusalem oder bei den Passionsspielen in Oberammergau.

Beliebte und besondere Kreuzwege

Seit dem Mittelalter wird mit kunstvoll gestalteten Skulpturen und Bildern die biblische Passionsgeschichte dargestellt und in Kreuzwegandachten dem Leiden und Sterben Jesu gedacht. Hier stellen wir diese bekannten und außergewöhnlichen Kreuzwege in Deutschland und im Ausland vor:

Lübecker Kreuzweg

Kreuzweg Lübeck

Der Kreuzweg in Lübeck gilt als der wohl älteste Kreuzweg Deutschlands. Der Passionsweg wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts von dem reichen Lübecker Kaufmann Hinrich Konstin geschaffen. Der Überlieferung nach pilgerte der Kaufmann als Büßer ins Heilige Land und vermaß dort selbst die Via Dolorosa. Zurück in Lübeck ließ er einen 1650 Meter langen Kreuzweg mit sieben Stationen in der genauen Länge der Via Dolorosa errichten.
Nachdem sich 1531 die Reformation in Lübeck durchsetzte, geriet der Kreuzweg in Vergessenheit und im Lauf der Jahrhunderte wurden, bis auf die erste und die letzte, alle Stationen zerstört.

Im Jahr 1994 wurde der Lübecker Kreuzweg auf die Initiative von Helmut Siepenkort, dem damaligen Propst der Propsteikirche Herz-Jesu, erstmals wieder am Karfreitag begannen. In den folgenden Jahren beteiligte sich auch die evangelische Jakobi-Gemeinde und das gemeinsame Begehen des Kreuzweges entwickelte sich zu einem ökumenischen Ereignis.

2013 wurden die zerstörten Stationen mit Skulpturen der Künstler Karin van Ommeren, Jo Kley, Winni Schaak und Frede Troelsen neu gestaltet. Gleichzeitig ist die 2. Station des Kreuzweges Kreuzpunkt mit dem entstandenen Märtyrerweg, der ein Mahnmal gegen den Totalitarismus und ein Zeichen für Nächstenliebe, Toleranz und Zivilcourage sein soll.

Bamberger Kreuzweg

Kreuzweg Bamberg

Mitten durch die Altstadt von Bamberg führt der älteste vollständig erhaltene Kreuzweg Deutschlands aus dem Jahr 1503. Der Kreuzweg mit neun Stationen wurde von dem Ritter Heinrich Marschalk von Raueneck gestiftet und führt von der Spitalkirche St. Elisabeth bis zur Propsteikirche St. Getreu. Bei einer Pilgerreise nach Jerusalem vermaß der Ritter die Via Dolorosa mit Schritten und ließ dann in Bamberg die einzelnen Kreuzwegstationen nach seinen Messungen und in abweichender Reihenfolge als heute üblich anlegen. Kunstvolle und detailreiche Reliefplatten sowie Skulpturen aus Stein stellen an verschiedenen Stellen der Altstadt und in der Kirche St. Getreu den Passionsweg dar. Traditionell wird der Kreuzweg in Bamberg an Karfreitag begangen.

Weg der Hoffnung, Gedenkstätte »Point Alpha«, Thüringen

Direkt auf dem ehemaligen Todesstreifen an der innerdeutschen Grenze zwischen Hessen und Thüringen befindet sich ein ganz besonderer Kreuzweg. Der »Weg der Hoffnung« führt an der Mahn- und Gedenkstätte »Point Alpha« entlang. Zur Zeit des Kalten Krieges war »Point Alpha« ein Beobachtungsposten der US-Armee und das Gebiet, in dem er liegt, war das wahrscheinliche Einfallstor für die Soldaten der Warschauer-Pakt-Staaten in die BRD.

Um an die Opfer von Unterdrückung, Willkür und Gewalt, die deutsche Teilung und den Widerstand der Menschen gegen die kommunistischen Diktaturen in Osteuropa zu erinnern, hat der Künstler Ulrich Barnickel 14 monumentale Metallskulpturen geschaffen, die die einzelnen Kreuzwegstationen von der Verurteilung Jesu bis zur Grablegung darstellen. Damit die Besucher die bis zu sechs Meter hohen Kunstwerke ganz unbeeinflusst auf sich wirken lassen können, gibt es an den einzelnen Stationen keine Informationstafeln zur biblischen Passionsgeschichte oder symbolischen Bedeutung. Die Begriffe wie Willkür und Mord, Solidarität und Trost, die der Bildhauer Barnickel den Skulpturen zugeordnet hat, wirken für sich und lassen dem Betrachter Raum für eigene Interpretationen. Alle Besucher, egal welcher Konfession sie angehören oder ob sie konfessionslos sind, sind eingeladen, auf dem »Weg der Hoffnung« auch eigene Erfahrungen mit Willkür oder Gewalt zu reflektieren.

Heiliges Grab, Görlitz

Kreuzweg Görlitz

Mitten durch Görlitz führt ein spätmittelalterlicher Kreuzweg, der ein wahres Gesamtkunstwerk ist. Der Kreuzweg führt von der Kirche St. Peter und Paul über die Görlitzer »Via Dolorosa« knapp 1000 Schritte bis zur Heilig-Grab-Anlage. Die Anlage besteht aus Nachbildungen der wichtigsten Stätten der großen Grabeskirche in Jerusalem: der Doppelkapelle zum Heiligen Kreuz, dem Salbhaus und der Grabkapelle.

In der Doppelkapelle befindet sich unteren Teil die Adamskapelle. Ihr Name geht auf die Legende zurück, dass Jesu Kreuzigung an dem Ort stattfand, an welchem Adam beerdigt wurde. Wie im Jerusalemer Original zieht sich auch hier ein Riss über die Wand. Er symbolisiert den zerrissenen Vorhang im Tempel zur Todesstunde Jesu. Die Oberkapelle wird Golgathakapelle genannt. Hier erinnern drei Vertiefungen im Boden an das Kreuz Jesu und die Kreuze der beiden mit ihm gekreuzigten Verbrecher. Daneben befindet sich die sogenannte Blutrinne, in die früher der restliche Abendmahlswein gegossen wurde, und die in den Riss in der Wand in der Unterkapelle übergeht. So floss Jesu Blut symbolisch in das Grab Adams.

Die Grabkapelle ist eine verkleinerte, aber genaue Nachbildung des des heiligen Grabes in Jerusalem. Die schlichte Grabkammer ist leer und der Stein vor dem Eingang ist wie am Ostermorgen zur Seite gewälzt. Zwischen dem heiligen Grab und der Doppelkapelle wurde das Salbhaus errichtet. Dort befindet sich eine Plastik von Maria, die um ihren toten Sohn weint.

Einzigartig an dieser Anlage ist nicht nur die originalgetreue Nachbildung der Bauwerke, es wurde sogar ein Landschaftsgarten mit Ölberg, Garten Getsemani und Jüngerwiese angelegt. Der Lauf der Lunitz erinnert an das Kidrontal.

Jedes Jahr gehen katholische und evangelische Christen gemeinsam den »Kreuzweg zur Nachfolge an Karfreitag«. Eine Besonderheit ist dabei die vierte Station, die Jesusbäckerei. Hier erhalten die Teilnehmer seit Jahrhunderten Salzbrot, auch Tränenbrot genannt, als Wegzehrung und Zeichen des Trostes.

Kreuzweg zum Käppele, Würzburg

Kreuzweg Würzburg

Hoch über Würzburg thront die eindrucksvolle Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung auf dem Nikolausberg. Die spätbarocke Kirche, im Volksmund »Käppele« genannt, wurde Mitte des 18. Jahrhunderts nach Plänen von Balthasar Neumann erbaut. Zu der Wallfahrtskirche führt über 247 Treppenstufen eine Kreuzweganlage empor, die zu den größten ihrer Art in Deutschland gehört.

Der großzügige Treppenaufgang inmitten der Weinberge wurde ebenfalls nach Plänen von Balthasar Neumann erbaut und zeichnet sich durch die symmetrischen Doppelaufgänge zu insgesamt fünf Terrassen aus. Auf den Terrassen sind die kunstvollen Kreuzweggruppen aus Sandstein aufgestellt. Die lebensgroßen Skulpturen wurden von Bildhauer Peter Wagner geschaffen.

Hochalpiner Kreuzweg in der Venedigergruppe

Ein Kreuzweg mit atemberaubendem Panorama ist in den österreichischen Alpen zu finden. Im Jahr 2016 wurde am Großvenediger der höchste alpine Kreuzweg fertiggestellt. Der Passionsweg im Nationalpark Hohe Tauern ist als Weitwanderweg mit zwei Schwierigkeitsgraden angelegt und kann als Drei- oder Viertagestour (mit Übernachtungen) begangen werden. Der Kreuzweg mit 14 Stationen führt von seinem Ausgangspunkt im Virgental, der Hubertuskapelle in Ströden, über verschiedene Berggipfel und Hütten zur Pfarrkirche zum Hl. Andreas in Prägraten. Die einzelnen Stationen markieren Tafeln aus heimischem Gestein, die der Künstler Raimund Gröfler gestaltet hat. Beim Wandern durch die unberührte Natur und vor der beeindruckenden Kulisse der Berge bietet dieser besondere Kreuzweg eine außergewöhnliche Möglichkeit zur Einkehr und Besinnung.

Kreuzweg von Lhotka, Prag

Wer nach Prag reist, sollte sich die Zeit nehmen und in der Kirche der Jungfrau Maria Königin des Friedens (P. Marie Královny Míru) im Prager Stadtteil Lhotka den Kreuzweg besichtigen. Vladimír Rudolf, der Pfarrer der Gemeinde, hat die Motive des Kreuzwegs 1968 inmitten der politischen Unruhen und Umbrüchen des Prager Frühlings entworfen, der Bildhauer Karel Stádník hat die Figuren in den 1970er Jahren aus Kunstharz erschaffen. Die 14 Kreuzwegstationen zeigen verschiedene Situationen und Ereignisse im Lauf der Geschichte, die Leid, Schmerz und Not über die Menschen gebracht haben. So werden z. B. der Abwurf der Atombombe über Hiroshima, der Märtyrer und Franziskanerpater Maximilan Kolbe, der in Auschwitz für einen anderen Häftling in den Tod ging, Mutter Teresa, die gegen das Elend kämpft, Krieg, Flucht und Hungersnöte dargestellt. Die bewegenden und berührenden Plastiken zeigen die Passionsgeschichte auf sehr eindrückliche Weise und übertragen gleichzeitig das Geschehen auf die gesamte Menschheitsgeschichte.

Der Ökumenische Kreuzweg der Jugend

Der Ökumenische Kreuzweg der Jugend ist eine der größten ökumenischen Jugendaktionen in Deutschland. Mittlerweile beteiligen sich aber auch evangelische und katholische Jugendliche aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Luxemburg am Ökumenischen Kreuzweg. Jedes Jahr steht der Jugendkreuzweg unter einem besonderen Motto, das sich mit der Passion Christi und ihrer Bedeutung für das eigene Leben auseinandersetzt. Ein Redaktionsteam erarbeitet dazu passende Materialen, die auf vielfältige Weise zur Vorbereitung genutzt werden können.

Traditionell treffen sich Jugendliche und junge Erwachsene am Freitag vor Palmsonntag, um den Jugendkreuzweg mit sieben Stationen zu beten. Mancherorts wird er an anderen Tage während der Fastenzeit, direkt an Karfreitag oder auch während des ganzen Jahres begangen. Bei der Gestaltung der Andacht gibt es von ganz klassisch bis modern die unterschiedlichsten Möglichkeiten: mit Themenabenden, an denen jeweils eine Station herausgegriffen wird, einer liturgischen Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag, als Prozession mit der Kreuzweg-App und vieles mehr.
Träger und Organisatoren des Jugendkreuzweges sind die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj), der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend in Deutschland e.V. (aej).

Die Geschichte des Jugendkreuzweges begann 1958 auf dem Katholikentag in Berlin. Noch gab es keine Mauer, die Deutschland teilte, und junge Katholiken aus Ost und West konnten gemeinsam den Kreuzweg beten. Dieses Erlebnis war für die katholischen Jugendlichen so eindrücklich und bewegend, dass die Idee eines eigenen Jugendkreuzweges entstand. Der Kreuzweg der Jugend sollte die jungen Menschen in den beiden Teilen Deutschlands über die Grenze hinweg miteinander verbinden. 1972 schloss sich die evangelische Jugend der Bewegung an und der Jugendkreuzweg steht seitdem im Zeichen der Ökumene.

Heute sind nicht nur die Bilder, auch die restlichen Materialen für den Ökumenischen Jugendkreuzweg vielfältig und modern. Die Texte, Gebete und Meditationen zu den einzelnen Stationen werden durch O-Töne und Impulsfragen, sowie durch Videoclips und eine App für Smartphones ergänzt. Bei der Gestaltung des Kreuzweges gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Er kann entweder ganz klassisch abgeschritten und gebetet werden. In Gottesdiensten, Andachten, Gruppentreffen während der Fastenzeit oder zu anderen Zeiten im Jahr, im Unterricht oder auf einer Kirchenfreizeit lässt sich der Jugendkreuzweg auch ganz individuell gestalten und Gedanken und Erkenntnisse können vertieft werden.

Mehr Informationen zum Ökumenischen Kreuzweg der Jugend finden Sie unter www.jugendkreuzweg-online.de.

Quellen:

    • Bild: Kreuzweg: © pixs:sell - fotolia.com
    • www.heiligenlexikon.de
    • www.kirchenweb.at
    • Bild: Via Dolorosa: © konstantant - fotolia.com
    • Bild: Kreuzweg Lübeck: © Peter Oldekop - commons.wikimedia.org
    • Bild: Kreuzweg Bamberg: © Andreas Praefcke - commons.wikimedia.org
    • Bild: Heiliges Grab, Görlitz: © Erika Hartmann - pixelio.de
    • Bild: Kreuzweg Würzburg: © mojolo - fotolia.com